Vom hilfreichen Umgang mit Trauergefühlen

Bild: ©leon-biss-unsplash.com
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Trauer gehört neben Angst und Wut zu den unliebsamen Gefühlen. Es ist ein starkes Gefühl, das in manchen Situationen als unerträglich erlebt wird. Die Art und Weise, wie wir mit unseren Trauergefühlen umgehen, trägt zur Auflösung oder Verstärkung des Gefühls bei.

Trauer und die dazugehörigen Gefühle

 

Trauer beinhaltet wie jede andere Emotion, eine vielfältige Palette von unterschiedlichen Gefühlsempfindungen. Manchmal ist es nur eine leichte Sehnsucht, die sich mit der Zeit zu Freudlosigkeit, Niedergeschlagenheit bis hin zu einer ausgeprägten Melancholie und Depression ausdehnen kann.

 

In einigen Fällen können Trauergefühle auch ein Deckmantel für andere Gefühle sein. Dann kann es passieren, dass eine Person weint, obwohl das vorherrschende Gefühl Wut ist. Da die meisten Menschen gelernt haben ihre wahren Emotionen zu unterdrücken, ist das vorrangige Gefühl meist eine Tarnung von einem anderen Gefühl. Wer als Kind beispielsweise die Erfahrung gemacht hat, dass Wut inakzeptabel ist, wird infolgedessen eher Gefühle wie Trauer oder Angst empfinden.

 

Gründe für unsere Trauergefühle

 

Der häufigste Grund für Trauer ist der Verlust oder die Trennung von einem geliebten Menschen. Es kann aber auch der Verlust sowie die Abwesenheit von etwas Wichtigem oder Vertrautem in unserem Leben sein. Traurigkeit entsteht, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden, wir abgelehnt werden oder eine Enttäuschung erfahren.

 

Manchmal ist es vielleicht die Tatsache, dass wir als Kinder die Zuneigung, Akzeptanz und Liebe der Eltern entbehren mussten. Damit werden häufig Menschen in einem psychotherapeutischen Prozess konfrontiert. Diese alten Wunden werden durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit wieder aufgewühlt und lösen in der Regel schmerzhafte Emotionen von tiefer Trauer aus. 

 

Unerfüllte Sehnsüchte, Anhaftungen an bestimmte Lebensphasen oder die Wiederholung einer belastenden Situation können weitere Gründe für unsere Trauergefühle sein. Auch die Tatsache, dass ein geliebter Mensch schmerzhafte Erfahrungen durchlebt hat und keinen Ausweg aus seinem Leid findet, kann tiefe Gefühle der Trauer in uns selbst auslösen. Es kommt auch ziemlich oft vor, dass Kinder unbewusst das Leid ihrer Eltern übernehmen.

 

Empfindungen bei Trauer und schädliche Bewältigungsversuche

 

Wie ich oben bereits erwähnt habe, können sich Trauergefühle in unterschiedlicher Intensität bemerkbar machen. In der Regel kommt es zu einem Gefühlschaos, bei dem Verwirrung, Erschütterung, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit an die Oberfläche gelangen.

 

Da es sich bei Trauer um ein vielschichtiges Gefühl handelt, können auch Empfindungen von Aggression und Feindseligkeit auftreten.

Körperliche Reaktionen sind Weinen, Herzschmerzen, Energieverlust, Kraftlosigkeit, Erschöpfung, zusammengesunkene Körperhaltung. Außerdem können Atemnot, Druckgefühle in der Brust, innere Leere und Ohnmachtsgefühle auftreten.

 

Da Trauer wohl zu den intensivsten Gefühlen gehört, ist es natürlich nicht immer so einfach, sich dieser starken Emotion zu stellen. Es ist verständlich, dass wir üblicherweise so ziemlich alles versuchen, um das Gefühl „wegzubekommen“.

 

Das Problem ist nur, dass unterdrückte und verdrängte Gefühle mit der Zeit eine Menge Schaden anrichten können. Am häufigsten resultieren daraus psychosomatische Erscheinungsbilder, chronische Schmerzzustände, unbestimmte Ängste oder Depressionen.

 

Trauer versucht immer einen Ausdruck zu finden, auch wenn wir sie daran hindern.

 

Jorgos Canacakis

 

Aus diesem Grund ist es erforderlich, einen konstruktiven Umgang mit Trauer zu finden.

 

Ein schädlicher Umgang mit Trauer ist es, diese zu leugnen und zu verdrängen. Oder aber die Trauergefühle mit Tabletten, Alkohol, Drogen, übertriebener sportlicher Aktivität, übermäßigem Konsum und Essen zu betäuben.

 

Einen hilfreichen Umgang mit Trauer finden

 

Obwohl Trauer unglaublich schmerzen kann, ist es ein lebendiges Gefühl, welches uns dabei hilft, Verluste jeglicher Art zu bewältigen. Wie alle anderen Emotionen hat Trauer einen Sinn, nämlich nach innen zu kehren und uns bewusst von dem zu lösen, was uns fehlt oder nicht mehr vorhanden ist. Es geht darum, von Herzen und in Liebe das zu würdigen, was wir in unserem Leben als wertvoll erachtet haben.

 

Indem wir uns die Freiheit nehmen, unsere Emotionen fließen zu lassen, können sich diese auf natürliche Weise umwandeln. Darüber hinaus können unsere Tränen dazu beitragen, uns von emotionalem Schmerz zu befreien und wieder Klarheit in unsere Gefühlswelt zu bringen.

 

Selbstverständlich gibt es kein allgemeingültiges Rezept für einen angemessenen Umgang mit der Trauer. Dennoch gibt es Faktoren, die sich heilsam auf den Umgang mit Trauergefühlen oder einem Trauerprozess auswirken können.

 

Das Wichtigste ist, auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören und sich nicht von anderen Personen beirren zu lassen. Das gilt in Bezug auf das Trauergefühl, als auch auf die Zeit, die benötigt wird, um die Trauer zu bewältigen.

 

Hilfreiche Verhaltensweisen bei Trauergefühlen sind:

 

  • Akzeptanz und Annahme der Gefühle.
  • Ehrlichkeit sich selbst Gegenüber.
  • achtsames Hinschauen und Hinfühlen.
  • sich ausreichend Zeit nehmen.
  • einen geeigneten Raum schaffen.
  • Spaziergänge in der Natur .
  • einen kreativen Ausdruck finden, zum Beispiel durch Malen.
  • Austausch mit anderem Menschen evtl. in einer Trauer-Gruppe.
  • Begleitung durch einen erfahrenen Therapeuten.

 

Ein bewusster Umgang mit Trauer kann uns vor körperlichen, geistigen und seelischen Schäden schützen. Auf diese Weise kann sich das Gefühl verändern und trägt dazu bei, dass unsere Lebensenergie ungehindert fließen kann.

 

 

 

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Zur Person


Ramona Runcan

Heilpraktikerin für Psychotherapie,

Entspannungstrainerin, Hypnose Coach (TMI).

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