Welchen Sinn unsere Gefühle haben

Bild: ©josh adamski-unsplash.com
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Gefühle sind ein lebensnotwendiger Bestandteil unseres Lebens. Sie können uns wichtige Hinweise darüber geben, in welchen Lebensbereichen etwas fehlt und wo unsere persönlichen Potenziale liegen.

Gute Gefühle, schlechte Gefühle?

Die meisten Menschen unterscheiden zwischen positiven und negativen Gefühlen.

 

Dabei gehören Zufriedenheit, Freude und Begeisterung zu den guten Gefühlen.  Angst, Ärger und Wut dagegen, sind negativ behaftet und werden von vielen abgelehnt. Wobei gerade die Angst oder Wut wichtige und vorteilhafte Gefühle sein können.

 

Solche Gefühle können nur schwierig werden, wenn sie immer wieder verdrängt und abgespalten werden. Es ist dann wie bei einem Dampfkochtopf - innerlich brodelt es weiter, bis es irgendwann zum Überkochen kommt.

 

Warum Gefühle so wichtig sind

 

Gefühle sind ein angeborenes biologisches Kontrollsystem, das unsere Existenz sichert. Sie dienen uns als Orientierungshilfe, warnen uns vor Gefahrensituationen und zeigen uns auf, ob unsere Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht.

 

Gefühle dienen uns als Wegweiser. Sie zeigen uns auf, in welchen Situationen wir aufblühen und was unsere Lebenskraft schwächt. 

 

Emotionen treiben uns an und sind ein wesentlicher Faktor für persönliche Veränderung. 

Jedes Gefühl hat seine Berechtigung. Auch wenn das für den Einzelnen nicht immer fassbar ist. 

 

Sich den eigenen Gefühlen zu stellen erfordert allerdings etwas Mut, doch es lohnt sich!

Der Angst ins Gesicht zu schauen, die Trauer in ihrer ganzen Intensität spüren zu können, die Kraft und Energie hinter der Wut zu bemerken - ohne sich vollständig davon ergreifen zu lassen, erfordert Mut.

 

Die Grundemotionen

 

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, welche Gefühle zu den Grundemotionen gehören. 

Der Psychologe Paul Ekmann hat 7 Basisemotionen definiert, die in aller Welt mit der gleichen Mimik zum Ausdruck gebracht werden.

  1. Freude
  2. Angst
  3. Wut
  4. Trauer
  5. Überraschung
  6. Ekel
  7. Verachtung

Die Buddhisten unterscheiden 3 Gefühle

  1. angenehme Gefühle.
  2. unangenehme Gefühle.
  3. neutrale Gefühle.

Wodurch werden Gefühle ausgelöst?

 

Das limbische System – die Steuerungszentrale unserer Emotionen sorgt dafür, dass Gefühle automatisch und in Bruchteilen von Sekunden ausgelöst werden. Die Gründe sind individuell verschieden.

 

Hierbei spielen unsere Lebensgeschichte, die persönlichen Erfahrungen und die aktuelle Situation eine entscheidende Rolle.

 

Prinzipiell können folgende Auslöser unterschieden werden

 

Äußere Auslöser

 

Bestimmte Situationen und Ereignisse, Verhaltensweisen, bestimmte Äußerungen,
also alles, was wir mit unseren 5 Sinnen wahrnehmen können.

 

Innere Auslöser

 

Gedanken, Lebenserinnerungen, Vermutungen, Ansichten, Befürchtungen, Sehnsüchte, Vorstellungen, Denkgewohnheiten, Glaubensmuster, Überzeugungen.

 

Körperliche Auslöser

 

Hormone, Körperhaltung, Atmung, Muskelanspannung, Schmerzen, Hunger, Durst.

Körper und Gefühl gehören zusammen

 

Die Körperwahrnehmung spielt bei der Wahrnehmung von Gefühlen eine wichtige Rolle. 

 

Probieren Sie es selbst einmal aus

 

Nehmen Sie eine aufrecht-entspannte Sitzposition ein. Erinnern Sie sich an eine Situation, die unangenehme Gefühle in Ihnen ausgelöst hat.

 

Achten Sie nun ganz bewusst auf die Veränderungen in Ihrem Körper. Was können Sie fühlen? Enge, Härte, Druck, Anspannung, Unruhe, Beklemmung, Kraftlosigkeit, Schwere?

 

Beenden Sie die Übung, indem Sie bewusst in den Bauch einatmen und bewusst wieder ausatmen.

 

Schütteln Sie Ihren Körper etwas und machen Sie die Übung nun mit einer angenehmen Situation.

 

Nehmen Sie auch hier alle Empfindungen Ihres Körpers wahr. Was geschieht in Ihrem Körper, wenn Sie an eine schöne Situation denken? Vielleicht breitet sich eine wohlige Wärme im Körper aus. Vielleicht nehmen Sie auch eine Leichtigkeit, eine innere Kraft, einen tiefen Frieden oder ein Glücksgefühl wahr.

 

Einen besseren Umgang mit Gefühlen pflegen

 

Körper, Gedanken und Gefühle hängen also unmittelbar zusammen. Einerseits wird es höchstwahrscheinlich immer wieder Situationen geben, in denen wir nicht verhindern können, dass unangenehme Gefühle an die Oberfläche kommen. 

 

Andererseits können wir unsere Denkgewohnheiten und Überzeugungen durchaus unter die Lupe nehmen, um zu schauen, welche Gedanken beziehungsweise Horrorszenarien unangenehme Gefühle erzeugen. Anschließend können wir diese Gedanken hinterfragen und rechtzeitig stoppen.

 

Ergänzend können wir unangenehme Gefühle verändern, indem wir uns regelmäßig Zeit nehmen, die Ursachen für Gefühle von Angst, Trauer oder Ärger zu erforschen.

 

Infolgedessen können wir bewusst Schritte einleiten, um Lebenssituationen, die uns belasten, Schritt für Schritt zu verändern.

 

Natürlich ist es auch möglich, gezielt Einfluss auf unsere Gefühle zu nehmen. Das kann zum Beispiel durch konstruktive Selbstgespräche, kraftvolle Bilder und bestimmte Körperhaltungen geschehen.

 

Warum die Angst vor unangenehmen Gefühlen persönliches Wachstum verhindert

Bei meiner Arbeit treffe ich immer wieder auf Menschen, die alles dafür tun, um unangenehm empfundene Gefühle von Trauer, Angst oder Ärger nicht fühlen zu müssen.

 

Viele werden regelrecht von ihren Gefühlen überflutet und verlieren dabei jegliche Handlungskompetenz. In Anbetracht dessen, was viele dieser Menschen erlebt haben, ist das auch eine natürliche Reaktion, vor allem weil sich das meiste davon automatisch im Gehirn abspielt.

 

Dennoch ist es auch in solchen Fällen möglich, einen konstruktiven Umgang mit derartigen Gefühlen zu bekommen. Dabei können innere Achtsamkeit, Selbstmitgefühl und Geduld helfen.

 

Das erfordert jedoch eine bewusste Entscheidung und den Wunsch, einen besseren Weg zu gehen. Beispielsweise die Absicht,

ein friedvolles Leben zu führen, statt ständiges Drama zu erschaffen.

 

Ansonsten kann sich nicht viel ändern. Ängste, Depressionen und psychosomatische Krankheitsbilder bleiben bestehen und brechen von Zeit zu Zeit immer wieder aus.

 

Obwohl ich es erstrebenswert finde, Gefühle von Freude, Begeisterung und Liebe zu kultivieren, halte ich es für die persönliche Entwicklung genauso wichtig, Gefühlen von Angst, Wut und Trauer einen geeigneten Raum zu geben.

Nur wer mit sich und seinen Gefühlen wirklich in Kontakt ist, kann mit anderen Menschen mitfühlen.

 

 

 

 

 

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Mitglied beim Verband für Hypnose (DVH) e.V.

Mitglied beim Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V.

Zur Person


Ramona Runcan

Heilpraktikerin für Psychotherapie,

Entspannungstrainerin, Hypnose Coach (TMI).

Seminarleiterin und Dozentin. Mehr lesen...

 

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